Namen, die Wörter sind
Wer ein wenig Albanisch lernt, merkt bald, dass viele Namen im Wörterbuch stehen. Drita kommt von dritë, Licht, die männliche Form heisst Dritan. Shpresa kommt von shpresë, Hoffnung. Flutura heisst Schmetterling, Lule Blume, Era stammt von erë, Wind. Kaltrina hängt wohl mit kaltër zusammen, dem Wort für Himmelblau.
Bei Jungennamen ist es nicht anders. Agim heisst Morgendämmerung, Ylli kommt von yll, Stern, und hat die weibliche Form Yllka. Blerim heisst Grün, Besnik treu, und Fatmir stammt von fatmirë, glücklich. Ardit verbindet ar, Gold, und ditë, Tag: ein goldener Tag. Solche Namen sind Wünsche. Wer seinen Sohn Fatmir nennt, wünscht ihm Glück; wer seine Tochter Shpresa nennt, gibt ihr Hoffnung mit.
Namen aus der illyrischen Vergangenheit
Eine zweite grosse Gruppe von Namen blickt in die Antike zurück. Ilir heisst schlicht Illyrer, nach dem antiken Volk des westlichen Balkans. Dardan kommt von den Dardanern, einem illyrischen Stamm. Arben ist von Arbën abgeleitet, das Albaner bedeutet.
Teuta ist der Name einer Königin. Sie regierte ab etwa 231 v. Chr. als Regentin für ihren Stiefsohn das Reich der Ardiäer an der Adria und führte den Ersten Illyrischen Krieg gegen Rom, den sie 228 verlor. Ihr Name wird meist als Königin oder Herrin des Volkes gedeutet. Heute ist Teuta ein verbreiteter Name für albanische Mädchen, und der Fussballklub von Durrës trägt ihren Namen seit 1930.
Bardhyl ist die albanische Form von Bardylis, der von 393 bis 358 v. Chr. regierte und die erste uns bekannte illyrische Dynastie begründete. Sein Name teilt die Wurzel mit dem albanischen Adjektiv i bardhë, weiss. Gent und seine Nebenform Genc gehen auf Gentius zurück, der ab 181 v. Chr. von Scodra aus regierte, dem heutigen Shkodra, und der letzte belegte illyrische König war; 168 v. Chr. besiegte ihn ein römisches Heer.
Das Wort hinter Bardh ist reicher als eine Farbe. Das Adjektiv i bardhë heisst weiss, aber auch rein und sauber, unbeschrieben wie ein leeres Blatt, und glücklich. Es geht auf eine indogermanische Wurzel mit der Bedeutung glänzen zurück und ist mit dem germanischen Wort verwandt, aus dem das englische bright wurde. Sein Gegenstück ist zi, schwarz. Ein Name wie Bardh trägt deshalb mehr als eine Farbe: Er trägt Licht, Reinheit und Glück.
Als der Staat die Namen bestimmte
Im kommunistischen Albanien wurden Namen zur politischen Frage. Ende der 1960er-Jahre sollten Neugeborene Namen ohne religiöse Bedeutung erhalten. Ein Erlass vom 23. September 1975 ging weiter: Bürger, deren Namen als anstössig galten, mussten sie bis Ende jenes Jahres in rein albanische Namen ändern.
1982 erschien ein Wörterbuch der Personennamen, das die als geeignet geltenden Namen aufführte. Neben einheimischen Wörtern wie Flutur, Schmetterling, enthielt es Schöpfungen des Regimes wie Marenglen, zusammengesetzt aus Marx, Engels und Lenin. Manche angeblich illyrischen Namen stammten von Inschriften aus der Nekropole des antiken Dyrrachium, des heutigen Durrës, die zwischen 1958 und 1960 ausgegraben wurde.
Wie Nachnamen gebildet werden
Ein vollständiger albanischer Name hat drei Teile: den Vornamen (emri), den Vornamen des Vaters (atësia), der vor allem in amtlichen Dokumenten steht, und den Familiennamen (mbiemri). Viele Familiennamen erzählen eine Geschichte. Die Endung -aj bedeutet Sohn des, wie in Lucaj, Sohn des Luca. Andere stammen von Orten, etwa Frashëri, Shkodra oder Prishtina, oder von Berufen: Hoxha heisst der muslimische Geistliche, Prifti der Priester.
Auch die Grammatik prägt die Nachnamen. Männliche Familiennamen enden meist auf -i, nach den Buchstaben k, g, h und i auf -u, weibliche Formen auf -a oder -ja. Derselbe Familienname kann deshalb in leicht unterschiedlichen Formen erscheinen, je nachdem, ob er zu einem Mann oder einer Frau gehört.
In Nordalbanien und Kosovo gehen viele Nachnamen auf die alten Stämme zurück, darunter Krasniqi, Berisha und Gashi. Die Namen Gega und Toska, oder Gegaj und Toskaj, weisen auf den Norden und den Süden des Landes, die Gebiete der beiden Hauptdialekte. Viele Nachnamen haben islamische oder christliche Wurzeln, sagen aber wenig über den heutigen Glauben einer Familie: Oft passt beides nicht mehr zusammen.
Namen heute
Moden ändern sich. In Albanien selbst sind internationale Namen beliebt geworden: 2014 war unter den zwanzig häufigsten Namen für Neugeborene kein einziger albanischer. In Kosovo, Nordmazedonien und Montenegro dagegen sind albanische Namen, auch die illyrischen, neben religiösen Namen weiterhin verbreitet. In der Diaspora ist das Bild gemischt: In Griechenland und Italien, wo Albaner zu den grössten Zuwanderergruppen gehören, haben viele Neuankömmlinge griechische oder italienische Namen angenommen.
Zwei der Namen aus diesem Artikel stehen auch im Namen BARDH & GENT: Bardh, Weiss, die Wurzel von Bardhyl, und Gent, nach dem letzten König der Illyrer. Das eine ist ein Wort, das in Albanien jeder kennt, das andere ein Stück Geschichte, über zweitausend Jahre alt.
Die Dardania Lederjacke trägt den Doppeladler über den ganzen Rücken: 300 Millimeter breit, ins geprägte Leder gepresst. Kein Druck, kein Aufnäher. Nummeriert, in Schwarz und Knochenweiss.
ZUR JACKE →Was bedeutet der albanische Name Bardh?+
Bardh kommt von i bardhë, weiss, das auch rein oder glücklich bedeuten kann. Der Name Bardhyl, die albanische Form des illyrischen Königs Bardylis, teilt dieselbe Wurzel.
Woher kommt der Name Gent?+
Gent, auch Genc, geht auf Gentius zurück, den letzten belegten illyrischen König, der ab 181 v. Chr. von Scodra aus regierte, dem heutigen Shkodra, bis ihn Rom 168 v. Chr. besiegte.
Was sind typische albanische Mädchennamen?+
Klassische albanische Namen sind etwa Drita (Licht), Shpresa (Hoffnung), Flutura (Schmetterling), Lule (Blume), Era (Wind) und Teuta, nach der illyrischen Königin.
Was bedeutet die Nachnamen-Endung -aj?+
Sie bedeutet Sohn des: Lucaj ist der Sohn des Luca. Sie ist besonders in Nordalbanien und Kosovo verbreitet.
- Wikipedia: Albanian name
- Behind the Name: Albanian names
- Wikipedia: Teuta
- Wikipedia: Bardylis
- Wikipedia: Gentius
- Wiktionary: bardhë
- Wiktionary: Gent
Königin Teuta, König Genthios, Kriege mit Rom und Kaiser vom Balkan: wer die Illyrer waren, was wir über ihre Sprache wissen und was bis heute umstritten ist.
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