Eine Familie ohne nahe Verwandte
Die meisten europäischen Sprachen gehören zu grossen Gruppen: Deutsch und Englisch sind germanisch, Französisch und Italienisch romanisch, Serbisch und Russisch slawisch. Albanisch gehört zu keiner davon. Die Sprachwissenschaft ordnet es als eigenständigen Ast der indogermanischen Familie ein, und es ist der einzige heutige Vertreter dieses Astes. Darin ähnelt es dem Griechischen und dem Armenischen, die innerhalb der Familie ebenfalls allein stehen.
Das heisst nicht, dass sich Albanisch abgeschottet entwickelt hätte. Über die Jahrhunderte nahm es viele Wörter von seinen Nachbarn auf: eine grosse Schicht aus dem Lateinischen aus römischer Zeit, später Wörter aus dem Griechischen, den slawischen Sprachen und dem Türkischen. Der Kern der Grammatik und ein grosser Teil des Grundwortschatzes blieben jedoch eigenständig.
Woher es kommt
Von welcher antiken Sprache Albanisch abstammt, ist eine der offenen Fragen der Balkan-Sprachforschung. Ein Teil der Forschung sieht darin den Nachfahren des Illyrischen, der Sprache der Völker an der östlichen Adria. Andere verweisen auf das Thrakische oder Dakische, die Sprachen des östlichen Balkans. Die Schwierigkeit ist überall dieselbe: Diese antiken Sprachen sind kaum überliefert, meist nur über Namen und eine Handvoll Wörter, sodass ein direkter Vergleich kaum möglich ist.
Gegisch und Toskisch
Albanisch hat zwei Hauptdialekte. Gegisch wird im Norden Albaniens, in Kosovo, in Nordmazedonien und in Montenegro gesprochen, Toskisch im Süden Albaniens. Die Grenze verläuft grob entlang des Flusses Shkumbin in Mittelalbanien. Die Schriftformen beider sind gegenseitig verständlich, viele regionale Mundarten aber nicht: Ein Bauer aus den nördlichen Bergen und einer aus dem tiefen Süden können Mühe haben, einander zu verstehen.
Für die Diaspora in der Schweiz, in Deutschland und Österreich ist das im Alltag spürbar. Viele Familien stammen aus Kosovo oder Nordmazedonien und sprechen zu Hause Gegisch, während Schulbücher, Nachrichten und amtliche Texte die Standardsprache verwenden, die überwiegend auf dem Toskischen beruht.
Ein später Start auf dem Papier
Albanisch wurde lange gesprochen, bevor es aufgeschrieben wurde. Der älteste erhaltene Satz ist eine Taufformel von 1462. Pal Engjëlli, der Bischof von Durrës, hielt sie mitten in einem lateinischen Dokument fest. Das erste gedruckte Buch folgte fast ein Jahrhundert später: der Meshari, ein katholisches Messbuch des Priesters Gjon Buzuku, von 1555. Das einzige bekannte Exemplar wurde 1740 in der Vatikanischen Bibliothek gefunden, fast zweihundert Jahre nach dem Druck.
Die Formel ist ein einziger Satz: Unë të pagëzoj pr'emenit t'Atit e t'Birit e t'Shpirtit Shenjt, ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das Dokument, das sie enthält, liegt heute in einer Bibliothek in Florenz. Manche Forscher nehmen an, dass Albanisch schon früher aufgeschrieben wurde, doch solche Texte sind nicht erhalten.
Ein Alphabet für alle
Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde Albanisch je nach Region und Religion in mehreren Alphabeten zugleich geschrieben. Das änderte sich im November 1908 auf dem Kongress von Manastir im heutigen Bitola: Delegierte albanischer Klubs und Vereine einigten sich auf ein einheitliches lateinisches Alphabet. Es hat 36 Buchstaben, darunter ë und ç sowie neun Doppelbuchstaben wie dh, gj, sh und xh, und es ist bis heute in Gebrauch.
Einberufen wurde der Kongress auf Initiative des Klubs Bashkimi; er tagte vom 14. bis 22. November 1908, mit 32 stimmberechtigten Delegierten aus 26 Klubs und Vereinen. Wenige Jahre später, 1916 und 1917, setzte eine Literarische Kommission in Shkodra das neue Alphabet um und stützte ihre Schriftnorm auf die Mundart von Elbasan, in der Mitte des Landes zwischen Gegisch und Toskisch.
Die gemeinsame Schriftsprache kam später. Im November 1972 legte der Rechtschreibkongress in Tirana eine einheitliche Norm fest, die überwiegend auf dem Toskischen beruht. Die Albanerinnen und Albaner in Jugoslawien hatten sie bereits 1968 auf einer Sprachkonferenz in Prishtina übernommen. Dass diese Norm die gegische Schrifttradition weitgehend verdrängte, wird unter albanischen Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern bis heute diskutiert.
Albanisch in der Schweiz
Albanisch sprechen weltweit je nach Schätzung bis zu siebeneinhalb Millionen Menschen, in Albanien und Kosovo als Amtssprache und in einer grossen Diaspora. In der Schweiz gehört es zum Alltag: Laut Bundesamt für Statistik war es 2022 die Muttersprache von rund 3,4 Prozent der Bevölkerung, gleich häufig wie Portugiesisch und nach Englisch eine der verbreitetsten Sprachen, die keine Landessprache ist.
Insgesamt verwendet fast ein Viertel der Bevölkerung der Schweiz eine Hauptsprache, die keine der vier Landessprachen ist. Die häufigste davon ist Englisch, gefolgt von Albanisch, Portugiesisch und Spanisch. In der Deutschschweiz hört man Albanisch im Alltag häufiger als in der Romandie oder im Tessin.
Vier Wörter, die wir jeden Tag brauchen
Einige albanische Wörter gehören zu unserem eigenen Wortschatz. Zi heisst schwarz, kuq heisst rot, bardh heisst weiss: So heissen die drei Farben der Dardania Lederjacke. Und trashëgimi, das Wort unter unserem Logo, heisst Erbe, und darum geht es bei alledem.
Die Dardania Lederjacke trägt den Doppeladler über den ganzen Rücken: 300 Millimeter breit, ins geprägte Leder gepresst. Kein Druck, kein Aufnäher. Nummeriert, in Schwarz und Knochenweiss.
ZUR JACKE →Mit welcher Sprache ist Albanisch verwandt?+
Albanisch ist eine indogermanische Sprache wie Deutsch oder Griechisch, bildet aber einen eigenen Ast und hat keine nahen lebenden Verwandten. Ob es vom Illyrischen, Thrakischen oder Dakischen abstammt, ist umstritten.
Wie viele Menschen sprechen Albanisch?+
Je nach Schätzung bis zu siebeneinhalb Millionen Menschen weltweit, als Amtssprache in Albanien und Kosovo und in einer grossen Diaspora. In der Schweiz haben rund 3,4 Prozent der Bevölkerung Albanisch als Muttersprache.
Was ist der Unterschied zwischen Gegisch und Toskisch?+
Es sind die zwei Hauptdialekte des Albanischen. Gegisch wird im Norden, in Kosovo und Nordmazedonien gesprochen, Toskisch im Süden Albaniens; die Grenze verläuft grob entlang des Flusses Shkumbin. Die Standardsprache beruht überwiegend auf dem Toskischen.
Wie viele Buchstaben hat das albanische Alphabet?+
36, darunter ë und ç sowie neun Doppelbuchstaben wie dh, gj, sh und xh. Beschlossen wurde es 1908 auf dem Kongress von Manastir.
- Encyclopaedia Britannica: Albanian language
- Omniglot: Albanian (shqip)
- Wikipedia: Albanian literature
- Wikipedia: Albanian Orthography Congress
- State Archives of North Macedonia: The Congress of Manastir and its orthography
- IamExpat: The most commonly spoken languages in Switzerland (FSO data)
- Universität Zürich: Language prestige in Switzerland (FSO data on main languages)
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