Was das Wort bedeutet
Besa, in der unbestimmten Form besë, steht für ein Versprechen, das den, der es gibt, vollständig bindet. Wer seine Besa gibt, setzt seine Ehre dafür ein; sie zu brechen heisst, sein Ansehen in der Gemeinschaft zu verlieren. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem übersetzt es wörtlich mit „das Versprechen halten“ und beschreibt jemanden, der nach der Besa handelt, als einen Menschen, dem man das eigene Leben und das der Familie anvertrauen kann.
Das Wort reicht tief in die Sprache hinein. Das Adjektiv besnik heisst treu oder vertrauenswürdig, und sowohl Besa für Frauen als auch Besnik für Männer werden bis heute als Vornamen vergeben. Frühe Wörterbücher taten sich schwer mit der Übersetzung: Im frühen 19. Jahrhundert gab Markos Botsaris es in einer griechisch-albanischen Wortliste mit einem griechischen Wort für Religion oder Glauben wieder, und ein osmanischer Almanach für die Provinz Kosovo verglich es 1896 mit dem französischen parole d'honneur.
Die Besa im Recht der Berge
Im Bergland Nordalbaniens war die Besa eine der Einrichtungen, auf denen alles ruhte. Das als Kanun bekannte Gewohnheitsrecht nutzt sie als Garantie: Eine Besa konnte einen Waffenstillstand zwischen zwei verfeindeten Familien sichern, einen von Rache bedrohten Mann für eine vereinbarte Zeit oder an einem vereinbarten Ort schützen oder Handel und Weidewirtschaft über die Grenzen der Sippen hinweg ermöglichen.
Weil eine Besa so verlässlich war, nutzten sie auch die Herrschenden. Die osmanischen Behörden verlangten von Stämmen eine Besa, um sie an Abmachungen zu binden, und Sultan Abdul Hamid II. rief Anfang der 1890er-Jahre die Bevölkerung um Shkodra auf, eine Besa gegen die Blutrache zu schwören. 1899 schwor eine Versammlung von 450 albanischen Notabeln in Kosovo unter Haxhi Zeka eine Besa, die Fehden auszusetzen, und noch am 28. Juni 1970 schlossen Familien aus der Malësia in Tuzi eine Besa, ihre Fehden zu beenden und die Urteile der Gerichte anzuerkennen.
Ein Schwur, der Geschichte machte
In den Jahrzehnten vor der albanischen Unabhängigkeit begannen viele Wendepunkte mit einer Besa. 1878 trafen sich Albaner in Prizren und gründeten die Liga von Prizren, ein mit einer Besa besiegeltes Bündnis. 1881 schworen sie eine Besa und erhoben sich gegen die osmanische Regierung. Im Juli 1908 versammelten sich Albaner aus Kosovo in Ferizaj und schworen eine Besa, um Sultan Abdul Hamid II. zur Wiederherstellung der Verfassung zu drängen.
Sogar das Alphabet verdankt einer Besa etwas. Im November 1908 schwor auf dem Kongress von Manastir der elfköpfige Ausschuss, der zwischen den konkurrierenden Schriften entscheiden musste, eine Besa, bis zum endgültigen Beschluss nichts nach aussen dringen zu lassen. Aus diesem Treffen ging das lateinische Alphabet hervor, mit dem Albanisch bis heute geschrieben wird.
1943: das Versprechen an die Flüchtlinge
Das bewegendste Kapitel der Besa wurde im Zweiten Weltkrieg geschrieben. Vor dem Krieg lebten laut Yad Vashem nur rund zweihundert Juden in Albanien, bei 803 000 Einwohnern. Nach 1933 kamen jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und den Nachbarländern hinzu; die Schätzungen reichen von 600 bis 1800 Menschen.
Als deutsche Truppen Albanien 1943 besetzten, weigerten sich Albaner, Listen der Juden herauszugeben, und Beamte stellten vielen jüdischen Familien falsche Papiere aus. Yad Vashem schreibt, dass fast alle Juden innerhalb der albanischen Grenzen die Besatzung überlebten, bis auf eine einzige Familie, und dass am Kriegsende mehr Juden im Land lebten als davor.
Ein Beispiel von vielen: In Kruja versteckten die Brüder Hamid und Xhemal Veseli zwei jüdische Familien aus Jugoslawien, die Mandils und die Ben Josephs, neun Monate lang bis zur Befreiung im Elternhaus. Yad Vashem ehrte sie 2004 als Gerechte unter den Völkern; ihr Bruder Refik war der erste Albaner gewesen, der diesen Titel erhielt. Bis 2006 hatte die Gedenkstätte 63 Albaner auf diese Weise anerkannt.
Getragen wurde die Rettung von gewöhnlichen Familien in Städten und Dörfern. Der Fotograf Norman H. Gershman machte daraus die Ausstellung „Besa: A Code of Honor“, und der Dokumentarfilm „Besa: The Promise“ erzählt die Geschichte des jüdischen Überlebens in Albanien.
In Sprichwörtern und Büchern
Zwei Sprichwörter zeigen, wie hoch die Besa steht: „Besa e shqiptarit nuk shitet pazarit“, die Besa eines Albaners wird nicht auf dem Markt verkauft, und „Besa e shqiptarit si purteka e arit“, die Besa eines Albaners ist wie ein Stab aus Gold. Sami Frashëri schrieb 1874 ein Theaterstück darüber, und Ismail Kadare machte sie zu einem zentralen Thema seines Romans „Doruntine“ von 1980.
Im Alltag hat die Besa nichts von ihrer Kraft verloren. „Të jap besën“, ich gebe dir meine Besa, sagt man bis heute, wenn es wirklich darauf ankommt, unter Freunden, im Geschäft und in der Familie. Für viele Albaner in der Diaspora ist es eines der Wörter, die für das stehen, was Heimat bedeutet.
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ZUR JACKE →Was bedeutet Besa auf Albanisch?+
Besa bedeutet das gegebene Wort oder Ehrenwort, ein als heilig geltendes Versprechen, das nicht gebrochen werden darf. Davon stammt das Adjektiv besnik, treu.
Wie haben Albaner im Zweiten Weltkrieg Juden gerettet?+
Während der deutschen Besatzung ab 1943 verweigerten sie die Herausgabe von Listen, beschafften falsche Papiere und versteckten Juden in ihren Häusern. Laut Yad Vashem überlebten fast alle Juden in Albanien, und nach dem Krieg lebten mehr Juden im Land als davor.
Ist Besa ein Vorname?+
Ja. Besa ist ein beliebter albanischer Mädchenname, Besnik, der Treue, das Gegenstück für Jungen.
- Wikipedia: Besa (Albanian culture)
- Yad Vashem: Besa – A Code of Honor (exhibition)
- Yad Vashem: The Veseli family
- U.S. Senate Resolution 521 (109th Congress, 2006) on Albanians who sheltered Jews
- Wikipedia (de): Kanun (Albanien)
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